Alte Seilerei lädt rechtsesoterische Sekte ein

„Bhakti Marga“ mag man schon einmal gehört haben. Der exotisch auftretenden Sekte aus der hessischen Provinz wurde in einem HR-Podcast Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Und einige führende Köpfe dort haben null Berührungsängste mit Reichsbürger-Ideologie. Berichte dazu finden sich seit Jahren, z.B. in der Tagesschau, oder im Überblick in der Wikipedia.

Wie genau man auf die Idee kommt, mit dieser Truppe Vielfalt zu feiern, haben wir uns auch gefragt, als wir das Programm des „Moving Cultures“-Festivals lasen.

Und da wir das für ein Missverständnis hielten, haben wir bei der Seilerei (Kulturort in Frankfurt-Oberrad) nachgefragt. Doch eine Ansprechperson des Netzwerks versicherte uns: Das hat alles seine Richtigkeit, denn: Es gehe ihnen um „Weltoffenheit, Inklusion, Demokratie und Völkerverständigung“. Und für das Mocul-Festival sei die Sekte geradezu ein perfekter Partner, der Seilerei-Kopf hält sie nämlich für eine authentische „Glaubensgemeinschaft Indiens“. Und auch bei der Stadt sieht wohl niemand ein Problem an der Beteiligung der Sekte. Auf unsere Nachfrage, warum das Amt für multikturelle Angelegenheiten (AMKA) dieses Line-Up für förderungswürdig hält, gab es zu unserem Erstaunen gar keine Reaktion. Bis heute wirbt das Festival mit dem Logo des AMKA.

Der Tagesspiegel zitiert aus einem Dokument der Sekte:

Gehorsam gegenüber Paramahamsa Vishwananda und seinen Befehlen.‘ Was genau mit ‚Gehorsam‘ gemeint ist, steht dort auch unmissverständlich – nämlich den Anweisungen Gurujis zu folgen statt auf das eigene Herz zu hören: ‚Wenn der Guru etwas sagt, ignoriere vollständig, was du fühlst.‘ [Quelle]

Wie soll das mit Weltoffenheit und Demokratie verträglich sein? Welches Verständnis von Multikulturalität wird hier gefördert? Vielleicht bezieht sich das ja nur auf die religiöse Praxis, mag man einwenden. Ein Blick in die Tagesschau räumt aber auch die letzten Zweifel auf, wes Geistes Kind die Sekte ist:

Der Deutschlandsitz einer spirituellen Sekte in Hessen wird zum Treffpunkt für Verschwörungsideologen. Sektenanhänger haben Kontakte zu prominenten Vertretern der „Reichsbürger“-Szene.[Quelle]

Es ist nicht das erste Mal, dass in der Alten Seilerei esoterische Veranstaltungen stattfinden. Wenn Leute gern Duftkerzen anzünden, mag das eine persönliche Vorliebe sein. Wer sich aber mit Reichsbürgern gemein macht, Unterordnung fordert und Strukturen etabliert, in denen Missbrauch wahrscheinlich ist, hat auf einer Feier der Vielfalt schlicht nichts zu suchen — ganz abgesehen von der Frage, wieviel diese Truppe eigentlich genau mit Indien zu tun hat oder ob sie nicht vielleicht doch eher Produkt der exotisierenden Phantasie verzweifelter Sinnsucher:innen ist, denen Weihrauch nicht mehr genug knallt.

Um es noch einmal klar zu sagen: Ein Festival, das Bhakti Marga einlädt, ist kein Ort, wo sich Menschen frei und sicher bewegen und begegnen können.

Wir fordern daher eine Absage des Festivals.

Quellen